Angst verstehen: Was dein Nervensystem dir zeigen kann

Veröffentlicht am Kategorisiert als Achtsamkeit & Bewusstsein, Neurodivergenz & Nervensystem
Person steht auf Felsklippe und blickt in weiten Himmel – Illustration zum Thema Angst verstehen und Nervensystem

Dieser Artikel wurde ursprünglich im Juni 2024 veröffentlicht und im Juni 2026 überarbeitet.

Vielleicht gibt es Dinge, die du gerne tun würdest – aber irgendetwas in dir hält dich zurück.

Eine Reise antreten. Vor Menschen sprechen. Einfach mal springen.

Angst ist nicht nur ein Gedanke. Sie ist eine Reaktion des Nervensystems auf eine wahrgenommene Gefahr – bei jedem Menschen.

Und wenn dein Nervensystem ohnehin empfindlicher kalibriert ist, kann Angst schneller auftauchen, lauter sein und länger bleiben.

In diesem Artikel schaue ich aus verschiedenen Perspektiven auf Angst – körperlich, medizinisch und energetisch. Und ich lade dich ein, deine Angst vielleicht auch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Angst aus verschiedenen Perspektiven betrachtet

Generell ist es eine Frage der Perspektive – es kommt drauf an, wer fragt.

Aus natürlicher Sicht ist Angst ein biologisch lebenswichtiges Gefühl. Sie ist eine gesunde Reaktion auf eine bedrohliche Situation. Sie schützt uns, macht uns aufmerksam und aktiviert unseren Körper, wenn wir eine mögliche Gefahr wahrnehmen. Unser Körper kennt dabei verschiedene Reaktionen:
– Kampf (fight)
– Flucht (flight)
– Erstarrung (freeze)

Aus Sicht der Schulmedizin kann Angst ein Symptom einer psychischen oder körperlichen Belastung sein. Angststörungen, Phobien und Panikattacken sind Begriffe, die viele Menschen kennen.

Energetisch betrachtet gibt es noch eine weitere Perspektive: Angst kann unser Leben kleiner und enger machen, wenn sie uns davon abhält, das zu tun, was wir eigentlich gerne tun möchten, zum Beispiel
– mit einem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen
– auf eine große Veranstaltung mit vielen Menschen zu gehen (Theater, Konzert etc.)
– im Schwimmbad vom 10-Meter-Brett zu springen

Kurz erklärt: Angst und das Nervensystem

Angst ist eine Reaktion unseres Nervensystems auf eine wahrgenommene Gefahr.

Der Körper schaltet auf Schutzmodus und bereitet sich darauf vor, zu handeln: kämpfen, fliehen oder erstarren.

Dabei können Reaktionen entstehen wie
– Herzklopfen
– Schwitzen
– Zittern
– Muskelanspannung
– Atemveränderungen
– Schwindel

Diese Reaktionen sind nicht „falsch“.
Sie zeigen, dass dein Körper versucht, dich zu schützen.

Wenn Angst dein Leben bestimmt

Hat mal jemand zu dir gesagt:
„Nun stell dich nicht so an.“
„Sei doch kein Angsthase.“
„Das schaffst du eh nicht.“

Mir wurde das oft gesagt.
Getraut habe ich mich dann oft gar nicht mehr.
Ich habe vermieden und bewältigt.

Nichts ist falsch daran, Angst zu haben.

Die Frage ist:
Was wäre möglich, wenn Angst nicht mehr automatisch entscheidet?

Was wäre, wenn es nicht nur um Bewältigungsstrategien ginge?

Bisher versuchen viele Menschen, ihre Angst zu kontrollieren und zu bewältigen:

– Dann fahre ich stattdessen eben mit dem Auto.
– Dann kaufe ich mir von meiner Lieblingsband eben eine CD,
– springe ich eben nicht vom 10-Meter-Brett springen, wofür soll das überhaupt wichtig sein?

Das funktioniert kurzfristig.
Aber manchmal wird das Leben dadurch immer kleiner.

Hat dir mal jemand gesagt, dass du deine Angst hinterfragen kannst?

Das sollten wir in jedem Fall immer wieder tun.

Nicht um Angst wegzumachen.
Sondern um zu entdecken: Was ist diese Angst eigentlich?

Angst verstehen: Welche Fragen dein Nervensystem öffnen können

Was ist das überhaupt, das ich Angst nenne?

Was ist hier gerade wirklich los?

Woher weiß ich eigentlich, dass ich Angst habe?

Vielleicht wurde mir irgendwann gesagt:
Herzklopfen bedeutet Angst.

Aber stimmt das wirklich?

Wir tragen viele Definitionen durch unser Leben.

Wenn wir anfangen, sie zu hinterfragen, entsteht Raum für etwas Neues.
Du betrachtest sie nicht als endgültig.
Auch wenn es vielleicht gerade sehr echt anspürt.

Wenn Angst zur Angst vor der Angst wird

Ich arbeite seit gut 15 Jahren mit Menschen, die Ängste haben.
Menschen, die unter Angststörungen, Phobien oder Panikattacken leiden.

Ist eine Angst erstmal da, gesellen sich über die Jahre oft weitere Ängste dazu.

Viele Menschen leben jahrelang damit.
Manche lebenslang.
Sie verzichten.
Sie sagen Nein.
Sie halten sich zurück.

Nicht, weil sie nicht etwas anderes wollen.
Sondern weil ihr Nervensystem gelernt hat, vorsichtig zu sein.

Kopf und Körper bleiben dann fast immer in Hab-Acht-Stellung. Auch nachts. Denn es könnte etwas passieren. Herzklopfen, Anspannung, Wachheit: Der Körper reagiert, als wäre Gefahr da. Auch wenn keine ist.

Meine persönliche Erfahrung mit Angst: Der Paragliding-Flug am Tegernsee

Vor vielen Jahren bekam ich zum Geburtstag einen Paragliding-Flug am Tegernsee geschenkt.

Oh man, ich hatte Angst.
Höhe war und ist nicht so meins.
Wollte das erst nicht machen.

Wollte das Geschenk aber nicht ablehnen.
Hoffte heimlich lange, dass das Wetter zu schlecht dafür sein würde.
Oder dass ich irgendwie krank werden würde.

Alles nur, dass ich das nicht machen muss.

Irgendwann machte es klick.
Ich wechselte meine Perspektive.
Ich hatte Werkzeuge, die ich benutzen konnte.
Und ich benutzte sie.

Dann wurde es leichter.

Ein neues Gefühl kam: Aufregung.
Spürte sich super ähnlich an wie die Angst!

Angst oder Aufregung? Warum sich beides ähnlich anfühlen kann

Wusstest du, dass die Biochemie im Körper bei Angst und Aufregung sehr ähnlich ist?

Ich trat also den Tandemflug mit dem erfahrenen Piloten an.

Am Ende war es eins der schönsten Dinge, die ich bisher gemacht habe❤️Ich fühlte mich so lebendig. So frei.

Als ich voller Freude von ganz weit oben einen Fuchs sah, der unten durch den Wald lief, sagte der Pilot zu mir: „Wenn du diesen Fuchs da unten sehen kannst, kannst du keine Angst haben.“

Danke.

Heute weiß ich, dass meine Angst vor vielen Dingen mich meistens davon abgehalten hat, darüber hinaus zu gehen.

Meine Handbremse zu lösen.
Etwas Neues zu erleben.
Endlich mehr Spaß und mehr Freude zu haben.

Was ist möglich, wenn dein Nervensystem neue Erfahrungen macht?

Zu oft habe ich diese Veränderung schon begleiten dürfen.
Danke für jeden einzelnen Menschen, der bisher nach Veränderung gefragt hat.

Vielleicht geht es nicht darum, Angst loszuwerden.

Vielleicht geht es darum, wieder mehr Wahlmöglichkeiten zu haben.

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Ist Angst normal? Ein Gespräch.

Mehr Inspiration in einem Gespräch mit Susanna Mittermaier


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Von Katharina Bonné

ÜBER MICH: Leben darf einfach sein – das ist meine Haltung. War es das früher für mich? Ganz und gar nicht. Ich kenne das Gefühl, wenn der Kopf nicht still wird, der Verstand die Führung übernimmt und der Körper nicht zur Ruhe kommt. Heute begleite ich Menschen genau an diesem Punkt - mit Klarheit, Körperarbeit und einer guten Portion Gelassenheit. Wahl ist immer möglich - hier und jetzt. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass Veränderung wirklich möglich ist. 🙂 Mehr über mich erfährst du hier.

6 Kommentare

  1. „ Angst muss nicht bleiben“ – das ist ein Satz, den ich wirklich so erlebt habe und immer wieder erlebe, wenn sie sich mal einschleichen möchte.
    Seit 2023 hat sich mein Leben komplett geändert. Angefangen bei einem BARS Kurs, wo ich Katharina kurz kennenlernen durfte. Und ich habe schon so viel in meinem Leben gemacht und es waren auch gute Dinge dabei, nur haben sie mir nie wirklich langfristig beigetragen.
    Katharinas Beiträge sind so wertvoll. Ich freue mich jedesmal, wenn etwas von ihr auf Telegramm oder hier in diesem Blog geschrieben wird. Danke Katharina, dass es dich gibt.

  2. Pingback: Auftakt

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