Freiheit für Flummis: Wie ich erkannte, dass ich nicht falsch bin

Veröffentlicht am Kategorisiert als Nervensystem & Neurodivergenz
Zwei Frauen springen vor Freude bei Sonnenuntergang – Symbolbild für Freiheit für Flummis

Ursprünglich veröffentlicht am 12. Februar 2021 – überarbeitet und aktualisiert im Juli 2026.

Vor sehr vielen Jahren fragte mich mal eine Paar-Therapeutin, ob ich mich manchmal „falsch“ in meiner Beziehung fühle. Ich antwortete sofort mit Ja. Irgendwie wusste ich sofort, was sie meinte. Und irgendetwas resonierte damit in mir. Auch wenn ich es auf eine seltsame Weise nicht wirklich verstand.

Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich in meiner Beziehung weder verstanden, noch gesehen oder gar geliebt. Und auch ich verstand mich auf eine Weise nicht, noch sah oder liebte ich mich. Diese eine Frage brachte mich zu einer Erkenntnis, die mich bis heute begleitet: Ich war nie falsch – ich hatte mir nur nicht erlaubt, ich selbst zu sein.

„Sie sind ein Flummi. Und dieser Flummi will springen.“

Sie sagte zu mir: „Sie sind ein Flummi. Und dieser Flummi will springen und sie erlauben es sich nicht.“

Auch hier wusste ich sofort, was sie mir sagen wollte, denn in diesem Moment fiel mir ein längst vergessenes inneres Bild wieder ein, welches ich offensichtlich tief vergraben hatte:

Eine Sommerwiese, blauer Himmel mit einigen Puderwölkchen. Auf der Wiese ein wadenhoher Zaun. Ich nehme Anlauf – und springe drüber. Nicht alleine. Hand in Hand mit einem anderen Menschen. Keine Ahnung, mit wem. Mein Gefühl dabei jedoch ist glasklar:

Absolute Leichtigkeit.
Freude.
Echtes Leben.
Und unendlicher Spaß.

Kennst du das noch von früher, als du von einer Pfütze in die nächste gesprungen bist? Was für ein Spaß war das!

Dieser Moment, während ich über diesen Zaun springe, beinhaltet alles. Bewertet nichts. Pure Freude, Fülle, Liebe. Dieses Bild trage ich schon immer in mir.

Und diese eine Frage der Therapeutin setzte etwas in Bewegung, dessen Ausmaß ich mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorstellen konnte.

Fühlen Sie sich manchmal falsch?

Dieser Moment war einer der wichtigsten Schlüsselmomente in meinem bisherigen Leben. Und dennoch sollte es noch eine ganze Zeit dauern, bis mein Flummi wirklich springen durfte.

Denn ich war es gewohnt, mit angezogener Handbremse durch mein Leben zu navigieren. Mich selbst zu bremsen. Um für andere nicht zu schnell, zu lebendig, zu bunt zu sein. Einfach so zu sein, wie die meisten es machen.

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Mein vertrauter Wenn-Dann-Modus

Warum bremste ich mich selbst?
Vermutlich wartete ich auf diese andere Person, mit der ich springen könnte. Und wenn ich sie gefunden hätte, dann wäre ich wahrscheinlich gesprungen.
Ich fand sie aber nicht.

Und so begrub und vergaß ich irgendwann dieses Bild.
Und irgendwann auch dieses Gefühl der Leichtigkeit und Freude.
Hielt es irgendwann für Utopie.
Naja, es gehen eben nicht alle Träume in Erfüllung.
Wär ja auch zu schön gewesen.
Das Leben ist eben doch kein Ponyhof.

Heute bin mir sicher, dass diese andere Person ein Teil von mir ist.
Vielleicht mein inneres Kind.
Oder mein zukünftiges Ich.

Und heute weiß ich auch, dass der Motor meines Lebens niemals außerhalb von mir bzw. niemals ein anderer Mensch ist. Alles ist in mir.

Es ist meine Wahl:
Jetzt oder jetzt doch nicht?
Kein richtig. Kein falsch.

Flummis sind nicht kontrollierbar

In diesem Gespräch erzählte mir diese Therapeutin also etwas über Flummis. Zuerst war ich überrascht, dann schockiert und letztlich wirklich traurig. Dann kam der Mut ganz leise um die Ecke und ich versuchte, meinen Flummi springen zu lassen. Nur mal gucken, was passiert. Schön war das.

Aber schon schnell merkte ich, dass der Raum, den der Flummi auch in meiner Beziehung forderte, nicht vorhanden war. Der Raum war zu eng. Denn Flummis sind nicht kontrollierbar. Nicht jede Beziehung bietet Raum für Wachstum, Ent-Wicklung und Ent-Faltung.

Und so packte ich ihn wieder dahin zurück, wo er herkam. In die Kiste der Vergessenheit. Das erschien mir damals einfacher. Zurück in die bekannte Komfortzone. Nicht angenehm, aber bequem.

Doch jede Information, die einmal in unserer Welt gelandet ist, kann man nicht mehr komplett vergessen. Von da an brachte sich mein Flummi also immer wieder in Erinnerung. Gut so.

Heute ist er glücklicherweise Bestandteil meines täglichen Lebens

Eine Kiste braucht er schon lange nicht mehr.

Wie oft machen wir uns falsch, weil wir denken, dass wir so, wie wir sind, nicht genug sind und so nicht geliebt werden können? Wir verbiegen uns, passen uns an, tragen Masken, spielen Rollen, um anderen zu gefallen und anerkannt zu werden – beruflich und privat.

Aus Angst, dass der andere uns verlassen könnte. Und am Ende stellen wir dann fest, dass es so auch nicht funktioniert und der andere uns vielleicht gerade deshalb verlässt. Genau WEIL wir uns falsch gemacht haben. Weil wir nicht den Mut hatten, wir selbst zu sein.

Geben uns lieber mit der Kopie zufrieden, die wir vielleicht geworden sind, anstatt das wunderbare und einzigartige Original zu sein, als das wir hier einst auf diesem Planeten gelandet sind.

Ändern wir nichts, finden wir uns manchmal in einem Burnout wieder, in einer Krankheit oder anderen Formen von Krisen. Wenn wir wollen, entpuppen Krisen sich als Chance, endlich uns selbst zu begegnen – echt und unverfälscht. Und dann finden wir ihn wieder: Unseren Flummi.

Heute ist „Flummi“ für mich längst mehr als eine Erinnerung. Es ist ein Begriff, den ich seit 2021 immer wieder in Gesprächen mit meinen Klienten nutze – immer dann, wenn genau dieses Gefühl auftaucht: der Wunsch zu springen und die gelernte Angewohnheit, es sich nicht zu erlauben.

Bei mir persönlich hat dieses Muster inzwischen auch einen Namen: Neurodivergenz. Aber ob mit oder ohne Namen:

Dein Flummi darf springen – denn genau dieses Gefühl der grundlosen Freude und Leichtigkeit ist so wunderbar und ich frage mich immer wieder:

  • Was wäre, wenn auch du deinem Flummi die absolute Freiheit schenkst?
  • Was wäre dann noch alles für dich möglich?
  • Und was, wenn das Leben DOCH ein Ponyhof ist?

Was ich brauche, um mein Flummi-Ich zu leben

  • Klarheit
  • eine Wahrnehmung dessen, was nicht für mich funktioniert
  • eine Idee, wohin ich eigentlich will

Was ich gewinne, wenn ich meinem Flummi Freiheit schenke

  • Zugang zu wahrer Freude – Kopf und Körper können tanzen
  • eine Einladung zur Freude auch für andere sein
  • mehr Resilienz durch ein entspanntes Nervensystem

Flummi-FAQ

Was bedeutet der Begriff „Flummi“ in diesem Zusammenhang?

Für mich beschreibt er den Wunsch, ganz man selbst zu sein und zu springen. Und die gelernte Angewohnheit, sich das nicht zu erlauben.

Warum fällt es manchen Menschen so schwer, einfach sie selbst zu sein?

Aus meiner Erfahrung, weil wir früh lernen, uns anzupassen, um geliebt und akzeptiert zu werden, bis wir irgendwann nicht mehr wissen, was davon wirklich wir selbst ist.

Hat der Flummi etwas mit Neurodivergenz zu tun?

Bei mir persönlich schon: Das Muster, das ich früher „Flummi“ nannte, hat heute auch einen Namen – Neurodivergenz. Unabhängig davon geht es aber jedem, der sich verbiegt, um dasselbe Grundthema.

Wie erlaubt man sich, wieder mehr man selbst zu sein?

Aus meiner Erfahrung hilft vor allem Klarheit darüber, was nicht mehr funktioniert, und die Bereitschaft, kleine Schritte in Richtung des eigenen Originals zu gehen statt der gewohnten Kopie.

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Von Katharina Bonné

ÜBER MICH: Leben darf einfach sein. Meine Haltung. War es das immer für mich? Ganz und gar nicht. Ich kenne das Gefühl, wenn der Kopf nicht still wird, der Verstand die Führung übernimmt und der Körper nicht zur Ruhe kommt. Als körperorientierte Heilpraktikerin für Psychotherapie & Coach arbeite ich u.a. mit Access Bars® und begleite Menschen genau an diesem Punkt dabei, ihr Nervensystem zu beruhigen - mit Klarheit, Körperarbeit und einer guten Portion Gelassenheit. Wahl ist immer möglich - hier und jetzt. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass Veränderung wirklich möglich ist. Mehr über mich erfährst du hier.

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