„Ich bin hochsensibel.“
Vielleicht hast du diesen Satz schon einmal über dich gesagt. Oder du hast dich in Beschreibungen zur Hochsensibilität wiedergefunden und warst vielleicht sogar erleichtert, endlich eine Erklärung für dein Erleben zu haben.
So ging es auch mir.
Vor einigen Jahren habe ich sogar ein Video-Interview mit dem Titel „Hochsensibel, wirklich?“ geführt. Damals wie heute beschäftigt mich eine Frage:
Warum erkennen sich so viele Menschen in diesem Begriff wieder und warum erklärt er trotzdem oft nicht das ganze Bild?
Heute würde ich diese Frage etwas anders beantworten als damals. Nicht, weil ich Hochsensibilität infrage stelle. Sondern weil ich in meiner Arbeit immer wieder erlebe, dass wir Persönlichkeit und ein überlastetes Nervensystem leicht miteinander verwechseln und dass die Frage „hochsensibel oder überlastetes Nervensystem“ gar nicht so einfach zu beantworten ist.
Das Wichtigste in Kürze:
- Hochsensibilität und ein überlastetes Nervensystem können sich von außen fast gleich anfühlen – schnelle Erschöpfung, Reizüberflutung, starke Wahrnehmung von Stimmungen.
- Der Unterschied zählt, weil sich Persönlichkeit nicht verändern lässt – ein überlastetes Nervensystem aber schon.
- Eine gute Orientierungsfrage: War das schon immer so oder hat es sich über die Jahre verstärkt?
- Ein Label wie „hochsensibel“ hilft nur, wenn es dich nicht begrenzt, sondern dir Orientierung gibt.
- Dein Nervensystem ist lernfähig. Es kann mit der Zeit wieder mehr Sicherheit und Ruhe finden.
Warum finden sich so viele Menschen im Begriff Hochsensibilität wieder?
Kurzantwort: Weil sich darin fast jeder sofort wiedererkennt – in der schnellen Erschöpfung, den anstrengenden Menschenmengen, den Geräuschen und Stimmungen, die stärker wirken als bei anderen.
Viele Menschen erzählen mir, dass sie sich schnell erschöpft fühlen. Dass sie Menschenmengen anstrengend finden. Dass Geräusche, Konflikte oder Stimmungen sie stärker belasten als andere.
Als ich den Begriff Hochsensibilität vor vielen Jahren zum ersten Mal hörte, war das für mich eine Erleichterung. Endlich gab es einen Namen für etwas, das ich schon mein ganzes Leben gespürt hatte.
Elaine Aron, die den Begriff geprägt hat, beschreibt Hochsensibilität mit vier Merkmalen, die sie DOES nennt: tiefe Verarbeitung, schnelle Übererregung, starke emotionale Reaktivität und Empathie sowie Sensibilität für feine Reize.
- Depth of Processing – Tiefe der Verarbeitung
- Overstimulation – schnelle Übererregung/Überreizung
- Emotional reactivity and empathy – starke emotionale Reaktivität und Empathie
- Sensitivity to subtleties – Sensibilität für feine, subtile Reize
Dieses Gefühl kenne ich von vielen meiner Klienten. Ein Begriff kann entlasten. Er kann das Gefühl vermitteln: Ich bin nicht allein. Doch manchmal passiert noch etwas anderes.
Aus einem Erklärungsmodell wird plötzlich eine Identität:
– „Ich bin eben so.“
– „Für mich funktionieren bestimmte Dinge einfach nicht.“
Und genau an diesem Punkt lohnt es sich, noch einmal genauer hinzuschauen.
Was haben Hochsensibilität und ein überlastetes Nervensystem gemeinsam?
Kurzantwort: Ein überlastetes Nervensystem ist ein Nervensystem, das nach anhaltendem Stress dauerhaft in Habachtstellung bleibt und dadurch ähnliche Reaktionen zeigt wie eine hohe sensorische Empfindlichkeit.
Die Symptome überschneiden sich erstaunlich stark. Vielleicht kennst du einige davon:
- Du bist schnell reizüberflutet.
- Du brauchst viel Zeit, um dich nach sozialen Kontakten zu erholen.
- Du nimmst Stimmungen anderer sofort wahr.
- Laute Geräusche oder viele Eindrücke strengen dich an.
- Du fühlst dich häufig erschöpft, obwohl objektiv gar nicht so viel passiert ist.
All das kann mit Hochsensibilität zusammenhängen.
Es kann aber genauso Ausdruck eines Nervensystems sein, das über lange Zeit gelernt hat, ständig wachsam zu sein.
Ein Nervensystem im Dauerstress nimmt mehr wahr. Es scannt permanent die Umgebung nach möglichen Gefahren. Es reagiert schneller auf Reize. Es braucht mehr Energie.
Von außen kann das aussehen wie Hochsensibilität.
Wann braucht dein Nervensystem mehr Aufmerksamkeit?
Kurzantwort: Vor allem dann, wenn sich deine Empfindsamkeit erst im Laufe der Zeit verstärkt hat. Das deutet eher auf ein überlastetes Nervensystem hin als auf reine Veranlagung.
Eine Frage, die ich meinen Klienten häufig stelle, lautet:
War das schon immer so oder ist es im Laufe deines Lebens stärker geworden?
Vielleicht warst du schon als Kind feinfühlig.
Vielleicht haben aber auch belastende Erfahrungen, dauerhafter Stress oder viele Jahre des Funktionierens und Anpassens dazu geführt, dass dein Nervensystem heute kaum noch zur Ruhe kommt.
Viele Menschen halten diese Reaktionen irgendwann für ihre Persönlichkeit. Dabei sind sie oft Schutzstrategien des Körpers.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Denn deine Persönlichkeit kannst du nicht verändern.
Ein überlastetes Nervensystem dagegen kann lernen, sich wieder sicher zu fühlen.
Du bist nicht falsch – dein Körper versucht, dich zu schützen
Ein Satz aus meinem damaligen Interview begleitet mich bis heute:
Vielleicht funktioniert dein System einfach anders.
Diesen Gedanken finde ich heute noch wichtiger als damals. Denn ich glaube nicht, dass wir vorschnell entscheiden müssen, welches Label auf uns zutrifft.
Viel spannender ist die Frage:
Was versucht dein Körper dir eigentlich zu sagen?
Wenn du ständig erschöpft bist, bedeutet das nicht automatisch, dass du zu empfindlich bist.
Wenn dir Menschenmengen zu viel sind, bist du nicht automatisch unsozial.
Und wenn du Stimmungen intensiv wahrnimmst, heißt das nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Vielleicht zeigt dein Nervensystem dir einfach, dass es sich nach Sicherheit, Ruhe und Regulation sehnt. Genau hier setzt zum Beispiel Access Bars® an – eine Methode, mit der ich in meiner Arbeit dabei helfe, ein überlastetes Nervensystem wieder zu beruhigen.
Es geht nicht um das richtige Label
Ob du dich als hochsensibel bezeichnest oder nicht, ist letztlich gar nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, ob der Begriff dir hilft, dich besser zu verstehen oder ob er dich unbewusst begrenzt.
Wenn du glaubst, dass bestimmte Dinge für dich grundsätzlich nicht möglich sind, hörst du irgendwann auf, nach neuen Wegen zu suchen.
Ich wünsche mir, dass wir Labels oder diese Begriffe uns Orientierung schenken. Nicht dass sie als Schublade dienen, die einer Bewertung gleich kommt.
Unser Nervensystem ist lernfähig. Es kann neue Erfahrungen machen. Es kann Sicherheit neu aufbauen. Und vieles von dem, was heute unmöglich erscheint, kann sich mit der Zeit verändern.
Vielleicht geht es deshalb gar nicht darum, ob du hochsensibel bist.
Vielleicht geht es vielmehr darum, dein Nervensystem so gut kennenzulernen, dass du verstehst, was es wirklich braucht.
Und genau dort beginnt für mich echte Veränderung.
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FAQ zu Hochsensibilität und Nervensystem
Von außen kaum: Symptome wie schnelle Erschöpfung oder Reizüberflutung überschneiden sich stark. Ein Hinweis: Hat sich die Empfindsamkeit über die Jahre verstärkt oder war sie schon immer da? Das zeigt, ob es eher Veranlagung oder eine Schutzreaktion ist.
Ja. Anders als die eigene Persönlichkeit ist ein überlastetes Nervensystem lernfähig. Es kann mit der Zeit neue Erfahrungen von Sicherheit machen und wieder zur Ruhe kommen.
Manche Menschen sind schon als Kind feinfühlig. Bei anderen entsteht eine ähnliche Empfindsamkeit erst durch belastende Erfahrungen, dauerhaften Stress oder jahrelanges Funktionieren und Anpassen.
Aus meiner Sicht nicht zwingend. Wichtiger als das richtige Label finde ich die Frage, was der eigene Körper eigentlich braucht: Sicherheit, Ruhe und Regulation.
Weil ein Nervensystem im Dauerstress permanent nach möglichen Gefahren scannt und dadurch mehr wahrnimmt und schneller reagiert. Von außen kann das wie Hochsensibilität wirken, ist aber oft eine erlernte Schutzreaktion.
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Katharina🍀
ÜBER MICH: Leben darf einfach sein. Meine Haltung.
War es das immer für mich? Ganz und gar nicht. Ich kenne das Gefühl, wenn der Kopf nicht still wird, der Verstand die Führung übernimmt und der Körper nicht zur Ruhe kommt. Als körperorientierte Heilpraktikerin für Psychotherapie & Coach arbeite ich u.a. mit Access Bars® und begleite Menschen genau an diesem Punkt dabei, ihr Nervensystem zu beruhigen – mit Klarheit, Körperarbeit und einer guten Portion Gelassenheit.
Wahl ist immer möglich – hier und jetzt. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass Veränderung wirklich möglich ist.
Mehr über mich erfährst du hier.
