Warum du wieder lernen solltest, auf deinen Körper zu hören
Vielleicht kennst du das:
Da ist dieses leise Ziehen.
Ein Druck.
Ein Unwohlsein, das du nicht ganz greifen kannst.
Nichts Dramatisches.
Nichts, was dich sofort stoppen würde.
Also machst du weiter.
Wie immer.
Die leisen Signale
Dein Körper beginnt selten mit einem Knall.
Er beginnt mit einem Flüstern.
Mit Müdigkeit, die du wegschiebst.
Mit einem Bauchgefühl, das du ignorierst.
Mit einem „Irgendwas passt hier nicht“, das du übergehst.
Nicht, weil du es nicht merkst.
Sondern weil du gelernt hast, es nicht wichtig zu nehmen.
Weil Funktionieren wichtiger war.
Weil es gerade nicht passt.
Weil du stark bist.
Wann hast du aufgehört zuzuhören?
Als kleines Kind warst du mit deinem Körper verbunden.
Du wusstest, wann du essen oder trinken wolltest.
Und wann es Zeit zum Schlafen war.
Dann sagten Andere dir, wie es richtig geht.
Und später begannst du vielleicht, mehr auf deinen Kopf zu hören als auf deinen Körper.
Weil der Kopf logisch ist.
Erklärbar.
Kontrollierbar.
Und dein Körper?
Manchmal ist er unbequem.
Unklar.
Langsam.
Also hast du gelernt, ihn zu übergehen.
Ein bisschen hier.
Ein bisschen da.
Bis es zur Gewohnheit wurde – so leise, dass du es kaum bemerkst.
Wer nicht hören will, muss fühlen.
Dieses Zitat könnte von deinem Körper sein.
Denn sein Flüstern bleibt nicht immer leise.
Wenn du nicht zuhörst, wird es lauter.
Aus einem Ziehen wird Schmerz.
Aus Unruhe wird Erschöpfung.
Aus einem leisen „Nein“ wird ein klares Stopp.
Nicht, weil dein Körper dir das Leben schwer machen will.
Er will dich nicht aufhalten.
Er will mit dir sein.
Dein Körper erfindet nichts
Vielleicht hast du gelernt, ein Symptom als etwas zu sehen, das „weg muss“.
Kopfschmerzen.
Rückenschmerzen.
Erschöpfung.
Innere Unruhe.
Vielleicht hast du auch schon einmal gehört, dass es „psychosomatisch“ ist.
Wenn dein Arzt keine körperliche Ursache findet.
Viele haben dann das Gefühl, als bilden sie sich das Symptom ein.
Dein Körper erfindet nichts.
Psychosomatik bedeutet nicht, dass du dir etwas einbildest.
Dein Körper beginnt deutlicher auszudrücken, wo du bisher nicht hingehört hast.
Ein Gefühl, das keinen Raum hatte.
Ein Nein, das nicht gelebt wurde.
Ein Stress, der zu lange geblieben ist.
Dein Körper macht sichtbar, was innen längst da ist.
Nicht, um dich zu nerven.
Sondern um dich zurück in Kontakt mit ihm zu bringen.
Was wäre, wenn nichts „weg müsste“?
Was, wenn dein Körper kein Problem ist, das gelöst werden muss?
Was, wenn er kein System ist, das optimiert werden muss?
Sondern ein Teil von dir, der längst weiß, was du brauchst?
Vielleicht geht es nicht darum, Symptome loszuwerden.
Sondern darum, deinem Körper zuzuhören.
Wirklich zuzuhören.
Ein erster, kleiner Schritt
Du musst nichts Großes verändern.
Kein neues System.
Keine perfekte Routine erarbeiten.
Es braucht nur einen Moment.
Jetzt.
👉 Nimm dir einen Augenblick und spüre:
– Wie geht es deinem Körper gerade jetzt – wirklich?
– Wo ist es eng? Wo ist es weit?
– Was versucht er dir vielleicht schon länger zu sagen?
Und dann…
…tu nichts damit.
Kein Analysieren.
Kein Optimieren.
Nur wahrnehmen.
Vielleicht beginnt es genau hier
Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit Tun.
Sondern mit Zuhören.
Mit diesem einen Moment, in dem du deinen Körper nicht übergehst,
ihn nicht zum Schweigen verdonnerst,
nicht auf Funktionieren schaltest.
Sondern bleibst.
Bei dir.
Mit deinem Körper.
Und vielleicht merkst du dann:
Er hat nie aufgehört, mit dir zu sprechen.
Die Frage ist nur, ob du bereit bist, wieder zuzuhören.
Mein Körper und ich – was sich verändert hat, seit ich zuhöre
In meiner Familie lernte ich schon früh, dass der Körper funktionieren muss. Sätze wie „Stell‘ dich nicht so an.“ oder „Sei doch nicht so empfindlich.“ waren alltäglich. Und da ich mithalten wollte, habe ich gelernt, das zu machen, was andere eben auch machen:
NICHT auf meinen Körper zu hören.
Auszuhalten.
Durchzuhalten.
Mein Körper sprach immer mit mir. Auf unterschiedliche Weise zeigte er mir, was ihm nicht gut tat. Es begann früh mit Allergien – allergisch auf mein Umfeld. Asthma – meine Umgebung raubte mir die Luft zum Atmen. Meine Mutter fand es in Ordnung, dennoch in meinem Zimmer zu rauchen. Mein Nein hörte sie nicht – es war zu leise.
Je weniger ich der Stimme meines Körpers zuhörte, desto dringlicher wurde sie. Und die Symptome wurden stärker. Schwaches Immunsystem – ich hatte oft die Nase voll. Hörstürze und Tinnitus – ich mochte vieles nicht mehr hören. Meistens wurden Medikamente verabreicht, z.B. Antibiotika – bis sie nicht mehr wirkten.
Und 2001 dann ein schwerer Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule mit einer Fußheberlähmung. Dies legte mich buchstäblich lahm. Ich konnte weder weglaufen, noch mich mit unermüdlichem Tun ablenken. Ich war zur Ruhe verdonnert. Nun hatte mein Körper mich soweit: Ich musste hinhören!
Der Orthopäde riet mir zur dauerhaften Ruhe mit Stufenlagerung. Und er riet mir zu einer schnellstmöglichen Operation.
Mein Körper schrie – er wollte keine OP.
Er wollte, dass ich ihm zuhöre.
Er wollte Veränderung.
Als erstes suchte ich mir einen neuen Arzt.
Dieser war entsetzt, dass ich bereits zwei Monate ohne Bewegungstherapie zuhause lag. Er erklärte, dass meine defekte Bandscheibe mir ein guter Ratgeber sein würde, wenn ich zuhöre. Ich fragte ihn, ob ich irgendwann wieder rudern könne – „Ihr Körper wird Ihnen mitteilen, ob er das will und ob ihm das gut tut.“
Nach diesem Gespräch änderte sich etwas.
Ich lernte neue Wege kennen, mit meinem Körper anders umzugehen. Techniken, in denen es wirklich um den Körper ging, nicht ausschließlich um dessen Funktionalität, um wieder mehr leisten zu können.
Und mein Fußheber kehrte zur vollständigen Funktion zurück – ohne OP.
Mein Körper war schlau.
Er wusste, was er kann.
Und was möglich ist.
Hätte mir damals jemand gesagt, wie bewusst ich heute mit meinem Körper sein kann, ich hätte es nicht geglaubt. Ich hätte mir auch nicht vorstellen können, all den Menschen, die heute zu mir kommen, eine Brücke zu ihrem Körper zu zeigen.
Freudvoll.
Leichter.
Wertschätzend.
Anerkennend.
Und sehr dankbar.
LICHT AN 🔴 Symptome deines Körpers verstehen.
Vielleicht merkst du beim Lesen, dass dein Körper schon länger mit dir spricht.
In meiner nächsten LICHT AN Ausgabe (ab 28. April 2026) geht es genau darum:
Die Symptome deines Körpers zu verstehen – und wieder in Verbindung zu kommen.
Wenn dich das ruft, findest du hier mehr dazu.
ÜBER MICH: Leben darf einfach sein – das ist meine Haltung.
War es das früher für mich? Ganz und gar nicht. Ich kenne das Gefühl, wenn der Kopf nicht still wird, der Verstand die Führung übernimmt und der Körper nicht zur Ruhe kommt. Heute begleite ich Menschen genau an diesem Punkt – mit Klarheit, Körperarbeit und einer guten Portion Gelassenheit.
Wahl ist immer möglich – hier und jetzt. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass Veränderung wirklich möglich ist. 🙂
Mehr über mich erfährst du hier.
